Regionale Fachtagung #sicherinSiegen Sicherheit beginnt, bevor etwas passiert
Beleidigungen, Drohungen und Gewalt können Beschäftigte des öffentlichen Dienstes unvermittelt treffen. Wie sich Einrichtungen darauf vorbereiten und im Ernstfall richtig handeln können, stand im Mittelpunkt der ersten Regionalen Fachtagung #sicherimDienst#sicherinSiegen an der Universität Siegen. Beschäftigte aus Kommunen, Schulen, Feuerwehr, Polizei und Universität sprachen darüber, wie sich Einrichtungen besser auf schwierige Situationen vorbereiten können.
Beleidigungen, Drohungen, Schläge oder ein gezücktes Messer – solche Erfahrungen können Beschäftigte des öffentlichen Dienstes treffen. Und zwar dort, wo Menschen arbeiten, lernen oder Hilfe suchen: in Rathäusern, Schulen, Hochschulen, Krankenhäusern oder einfach am helllichten Tag in der Fußgängerzone. Bei der Fachtagung #sicherimDienst#sicherinSiegenwurde deshalb nicht nur über Sicherheitskonzepte gesprochen, sondern auch darüber, was solche Erlebnisse mit den Betroffenen machen und wie Einrichtungen damit umgehen können. Über 40 Teilnehmende trafen sich am Campus Unteres Schloss, um sich darüber auszutauschen.
Die Universität Siegen ist dem NRW-weiten Netzwerk „#sicher im Dienst“ vor kurzem beigetreten. Die Kampagne des Landes Nordrhein-Westfalen ist Teil der Initiative „Mehr Schutz und Sicherheit von Beschäftigten im öffentlichen Dienst“. Mehr als 1.000 Organisationen gehören dem Netzwerk inzwischen an. Sie sprechen über Erfahrungen und entwickeln Präventionsmaßnahmen weiter.
Eröffnet wurde die Fachtagung mit einem Grußwort von Iris Litty, der Kanzlerin der Universität Siegen. Gemeinsam mit dem Organisationsteam der Stabsstelle Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Campussicherheit der Universität Siegen, freute sie sich über die positive Resonanz auf die Veranstaltung. Wie unterschiedlich die Anforderungen sein können, zeigte das Programm der Fachtagung. Es ging unter anderem um die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Krisensituationen, um Notfall- und Krisenmanagement, deeskalierende Gesprächsführung und die Frage, welche Strukturen ein wirksames Gewaltschutzkonzept braucht.
„Gewaltvorfälle können in allen Dienstbereichen passieren - in Ämtern, Schulen, Universitäten oder Kliniken. Umso wichtiger ist es, passende Sicherheitskonzepte und Verfahrensabläufe zu entwickeln und voneinander zu lernen. Genau deshalb ist die Vernetzung so wichtig“, sagte Anne Herr vom Präventionsnetzwerk „#sicher im Dienst“. Auch digitale Gewalt spiele dabei eine immer größere Rolle. „Digitale Gewalt ist für viele Beschäftigte längst Teil des Dienstalltags. Anfeindungen, Bedrohungen und Einschüchterungen machen nicht an der Bürotür halt. Auch im digitalen Raum braucht es Schutz, klare Grenzen und Unterstützung für Betroffene“, so Anne Herr.
Für Maximilian Faßbender, Teamleiter in der Abteilung Campussicherheit der Universität Siegen, ist es wichtig, dass Betroffene wissen, wohin sie sich wenden können. „Wir sehen uns als Servicestelle und wollen Stress und Ängste reduzieren.“ Das Thema Sicherheit und Gewaltschutz müsse deshalb sichtbarer und offener behandelt werden. „Wir möchten, dass keiner Angst hat, sich zu melden, wenn er oder sie sich in einer Situation unsicher oder bedroht fühlt.“ Beim Thema Sicherheit gehe es eben nicht nur um technische Ausstattung, bauliche Voraussetzungen oder Hausordnungen. Die Menschen, die an die Universität kommen, und ihre jeweiligen Lebenssituationen müssten gesehen werden.
In den Workshops zu Notfall- und Krisenmanagement, Gewaltschutz und deeskalierender Gesprächsführung arbeiteten die Teilnehmenden selbst an konkreten Fragestellungen. Boglarka Beyer-Rickes, Ansprechpartnerin für Gewaltschutz an der Universität Siegen und gemeinsam mit Maximilian Faßbender Organisatorin der Tagung, wertete das als großen Gewinn: „Die erste Regionale Fachtagung war rundum ein Erfolg. Der Workshop-Charakter hat den Teilnehmenden die direkte Möglichkeit gegeben, die eigenen Bedarfe zu reflektieren und wertvolle neue Impulse zu integrieren.“ Aus den Gesprächen seien bereits Anfragen für weitere Fortbildungen und Kooperationen entstanden.
Wie viel Bedarf an Austausch besteht, zeigte sich schließlich an der „Such-und-Find“-Börse. Auf der Pinnwand wurden Kontakte und Angebote vermittelt, etwa zur polizeilichen Beratung, zum Opferschutz, zur Prävention, zum Umgang mit psychischen Erkrankungen oder zur Konfliktlösung. Auch das Thema Gewalt gegen Lehrkräfte wurde aufgegriffen.
Für die Universität Siegen ist die Fachtagung Auftakt für eine stärkere Vernetzung in der Region. Denn über konkrete Maßnahmen hinaus ging es um eine gemeinsame Haltung: Unsichere oder bedrohliche Situationen müssen ernst genommen werden und Beschäftigte sollen wissen, dass sie damit nicht alleingelassen werden.